Mittwoch, 26. Oktober 2011

Schülergespräche

Protokoll aus dem Religionsunterricht, 2. Sekundar (ca. 12 Jahre alt)

Thema: Prophetie im Alten Testament

Ich: "Die Propheten des Alten Testaments haben die Missstände in der Gesellschaft angeprangert. Die Reichen haben auf Kosten der Armen gelebt. Anstatt einen Teil ihres Vermögens den Armen abzugeben, haben sie ihre Feste gefeiert. Die Propheten haben an die Botschaft Gottes erinnert. Die Reichen sind dazu aufgefordert, für einen Ausgleich in der Gesellschaft zu sorgen statt verschwenderische zu leben. Die Menschen sind füreinander verantwortlich."


Schüler: "Ja aber der Reiche der hat auch gearbeitet für sein Geld! Selber schuld, wenn man nicht arbeitet. Dann ist man halt arm."


Ich: "Wie ist es denn, wenn einer das Geld von seinen Eltern erbt und der andere 10 Stunden pro Tag auf dem Bau arbeitet? Der arbeitet ja viel mehr und hat trotzdem viel weniger."


Schüler: "Ja die Eltern des Reichen haben halt hart gearbeitet!"


Ich: "Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Andere Meinungen?"


Schüler: "Der Reiche kann ja etwas spenden! Das wäre gerecht."


Ich: "Wo kann man denn sein Geld spenden?"


Schüler: "Es gibt so Organisationen, die haben Projekte in armen Ländern, zum Beispiel in Afrika. Wenn man denen Geld schickt, helfen sie den Armen."


Anderer Schüler: "Ja aber ich habe eine Reportage gesehen. Das Geld brauchen sie im Fall für sich selber! Zum Beispiel in Haiti, da kommt das Geld gar nicht zu den armen Menschen wegen der Regierung."


Ich: "Es ist wichtig, sich gut über eine Organisation zu erkundigen. Es gibt Organisationen, die brauchen ganz viel vom Spendegeld für den eigenen Arbeitsaufwand. Oder das Geld versandet, weil die Regierungen es nicht weitergeben. Informiert euch gut!"


Schüler: "Aber die, die für die Organisation arbeiten, also in der Schweiz, die brauchen ja auch einen Lohn. Das ist schon in Ordnung. Sonst sind die ja dann arm und brauchen selber Spenden."


Soll noch einer sagen, die Heranwachsenden seien desinteressiert und ignorant! Das Gespräch ist ohne mein Zutun entstanden. Ich habe lediglich den Ball ein bisschen hin und her gespielt.

Ein Wehmutstropfen: Es sind vor allem die Jungs, die diskutieren. Die Mädchen lassen sich kaum zu einer Meinung herausfordern. Schulterzucken ist die häufigste Antwort.

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